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Zentralfriedhof Wien: Warum sich ein Besuch wirklich lohnt
Ich habe fast zehn Monate in Wien gelebt, bevor ich es endlich zum Zentralfriedhof Wien geschafft habe. Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ein Friedhof so schön sein kann.
Am meisten beeindruckt hat mich die Stimmung: ruhig, grün und gleichzeitig voller Leben. Fotograf*innen, die Wildtiere fotografieren, Menschen beim Spazieren oder Joggen, Radfahrer, die gemütlich vorbeifahren. Es fühlt sich eher wie ein Park an.
Der Zentralfriedhof ist riesig, der zweitgrößte in Europa, und beim ersten Besuch leicht überwältigend. Genau deshalb habe ich diesen Guide geschrieben.
Ob du die Gräber von Beethoven und Falco sehen willst, neugierig auf Bereiche wie den buddhistischen Friedhof bist oder einfach einen Spaziergang abseits der Touristenmassen suchst, hier findest du alle Tipps für deinen Besuch.
Was den Zentralfriedhof Wien so besonders macht
- Mit 2,4 km² gehört er zu den größten Friedhöfen Europas. Er ist die letzte Ruhestätte für über drei Millionen Menschen.
- Hier liegen zahlreiche berühmte Persönlichkeiten begraben, von Beethoven bis Falco.
- Es gibt eigene besondere Bereiche wie den Waldfriedhof, den buddhistischen Friedhof und sogar einen Haustierfriedhof.
- Überall begegnet man Wildtieren: Rehen, Eichhörnchen und vielen Vogelarten. Fotograf*innen kommen gezielt hierher.
- Für die Wiener*innen ist er fast wie ein Park. Es gibt sogar markierte Joggingstrecken, die als „Silent Run“ beworben werden.
- Direkt beim Tor 2 kannst du Fahrräder ausleihen und das riesige Gelände entspannt erkunden.
Der Zentralfriedhof ist damit kein gewöhnlicher Friedhof, sondern ein Ort, an dem sich Geschichte, Natur und das alltägliche Leben auf besondere Weise verbinden.
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Wie du dich auf dem Friedhof fortbewegen kannst
Der Zentralfriedhof ist riesig, man unterschätzt leicht, wie viel Fläche man hier wirklich zurücklegen muss. Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, wie viel Zeit und Energie du hast.
Zu Fuß
Spazieren ist die klassischste Art, den Friedhof zu erkunden. Die Hauptwege sind gut gepflegt, aber du solltest mit einigen Kilometern rechnen. Am besten machst du ein Foto von der Karte am Tor oder lädst dir die App runter, damit du dich nicht verirrst.
Mit dem Fahrrad
Am Haupteingang (Tor 2) kannst du E-Bikes mieten. Ideal, wenn du viel sehen willst, ohne den ganzen Tag zu laufen. Radfahren ist aber nur auf den markierten Wegen erlaubt. Beim Ausleihen musst du einen Ausweis hinterlegen.
Mit dem Friedhofsbus
Ja, es gibt tatsächlich eine eigene Buslinie durch den Friedhof, die Linie 11. Sie hält bei den wichtigsten Bereichen. Tickets bekommst du direkt beim Fahrer oder du nutzt einfach dein normales Wiener Ticket.
Joggen (Silent Run)
Ungewöhnlich, aber in Wien gewollt: Joggen am Friedhof. Auf ausgewiesenen Strecken kannst du am „Silent Run“ teilnehmen, respektvolles und leises Laufen.

Was es auf dem Zentralfriedhof zu sehen gibt
Der Friedhof ist riesig und in nummerierte Abschnitte eingeteilt. Überall stehen Schilder mit den entsprechenden Nummern, so findest du dich schnell zurecht, wenn du weißt, wohin du möchtest.
Gleich beim Eingang gibt es eine große Übersichtskarte. Mach am besten ein Foto davon, bevor du losgehst. Alternativ kannst du auch die offizielle App nutzen, die dich per GPS durch das Gelände führt. Achtung: Sie ist kostenpflichtig.





Berühmte Gräber
Auf dem Friedhof sind viele berühmte Persönlichkeiten begraben oder mit Denkmälern geehrt. Die meisten findest du in Gruppe 32A, wo sich die Musikerallee befindet:
- Johann Strauss II: der „Walzerkönig“ und Komponist der Donauwalzer, den ganz Österreich zu Silvester hört
- Wolfgang Amadeus Mozart: hier steht ein Denkmal (Kenotaph), da sein echtes Grab am St.-Marx-Friedhof liegt
- Johannes Brahms: einer der bedeutendsten Komponisten des 19. Jahrhunderts
- Franz Schubert: Ausnahmetalent, das trotz seines frühen Todes ein riesiges Werk hinterlassen hat
- Ludwig van Beethoven: weltbekannter Komponist, der viele Jahre in Wien lebte
Auch außerhalb von 32A gibt es einige bekannte Gräber:
- Arnold Schönberg: Musikrevolutionär und Begründer der Zwölftontechnik (Gruppe 32C)
- Falco: österreichische Pop-Ikone, bestattet im Ehrenhain (um die Gruppe 40)
- Udo Jürgens: mit einem beeindruckenden Klavier-Grabmal in Gruppe 33G
Einzigartige Bereiche am Friedhof
Der Friedhof ist riesig und in viele Abschnitte unterteilt. Einige davon sind besonders sehenswert:

Alter jüdischer Friedhof (Gruppen 5B, 6, 7, 8, 19, 20, 49, 50, 51, 52, 52A, 53B)
Entstanden im 19. Jahrhundert, heute verwittert und etwas überwachsen.
Viele Gräber sind nicht mehr gepflegt, was dem Ort eine gespenstische, aber faszinierende Stimmung verleiht.

Buddhistenfriedhof (Gruppe 48A)
2005 eröffnet, war er der erste buddhistische Friedhof Europas. Er ist klein, aber unglaublich friedlich.
Die Gestaltung orientiert sich am Edlen Achtfachen Pfad, was dem Ort eine besondere spirituelle Atmosphäre verleiht.
Ein Platz zum Innehalten und Runterkommen.

Mormonenfriedhof (Gruppe 57C)
Dieser Abschnitt erinnert an die kleine mormonische Gemeinde Wiens.
Die einzelnen Gräber sind schlicht, aber die große Skulptur in der Mitte macht den Bereich interessant.
Wenn du noch nie einen Mormonenfriedhof gesehen hast, ist ein kurzer Stopp lohnenswert.

Waldfriedhof (Gruppe 35A, 41AB)
Ein Abschnitt, der sich fast nicht wie ein Friedhof anfühlt, sondern wie ein kleiner Wald.
Bei den Bäumen stehen nur kleine Tafeln, die auf die Beisetzungen hinweisen.
Kerzen oder Blumen dürfen nur an einem Sammelplatz abgelegt werden, so bleibt der natürliche Charakter erhalten.
Natur Gräber (Gruppe 23)
Ein moderner, umweltbewusster Bereich, der sich optisch nahtlos an den angrenzenden Park anschließt.
Beisetzungen erfolgen in biologisch abbaubaren Särgen und Urnen. Es ist der einzige Friedhofsbereich seiner Art in Europa, ein spannendes Beispiel für nachhaltige Bestattungskultur.

Ehrengräber (Gruppe 32A, 32C, 33G, 14A, 14C, Ehrenhain)
Hier sind viele der berühmtesten Persönlichkeiten Österreichs bestattet, von Musikerinnen über Schriftsteller bis zu Politikerinnen.

Anatomiegräber (Gruppe 26)
Dieser Abschnitt ist jenen Menschen gewidmet, die ihren Körper der Wissenschaft vermacht haben.
Angehörige haben hier einen Platz, um ihre Verstorbenen zu gedenken.

Opfer des Ringtheater-Brandes (Gruppe 30A)
Am 8. Dezember 1881 kamen beim Brand des Wiener Ringtheaters 384 Menschen ums Leben. Sie wurden hier in einem Massengrab beigesetzt.
Die Gedenkstätte ist zurückhaltend gestaltet, wirkt aber gerade deshalb sehr eindrucksvoll und bewegend.

Präsidentengruft (ohne Nummer, direkt vor der Kirche)
Direkt vor der Karl-Borromäus-Kirche liegt die Gruft, in der mehrere österreichische Bundespräsidenten beigesetzt sind.
Der Ort ist schlicht, aber von großer historischer Bedeutung und wird oft im Rahmen offizieller Anlässe besucht.
Babygruppe (Gruppe 35B)
Einer der emotionalsten Orte am Friedhof. Hier sind totgeborene Babys bestattet, deren Gräber oft mit Blumen oder Stofftieren geschmückt sind.
Tierfriedhof

Gleich gegenüber von Tor 2, in einer kleinen Seitenstraße, liegt der Tierfriedhof. Viele übersehen ihn, da er technisch gesehen außerhalb des Hauptgeländes liegt, dabei lohnt sich ein kurzer Abstecher.
Es war der erste Tierfriedhof, den ich je besucht habe. Zwischen den kleinen Gräbern für Hunde und Katzen findest du liebevoll gestaltete Steine, mal schlicht, mal mit Fotos, Figuren oder persönlichen Botschaften.
Park der Ruhe und Kraft


Der „Park der Ruhe und Kraft“ wirkt eher wie ein stiller Garten als wie ein Friedhof. Bei meinem Besuch saß ein Paar entspannt auf einer Bank, während ein Tierfotograf geduldig eine kleine Maus beobachtete.
Besonders sind die Gestaltungselemente: ein Steinkreis, ein Brunnenornament und weitere Symbole, die Energie, Ruhe und Kraft ausstrahlen sollen. Ein Ort, um kurz innezuhalten und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.
Friedhof Kirche St. Karl Borromäus


Eine wunderschöne Jugendstilkirche in der Mitte des Geländes. Du kannst sie kostenlos betreten, schon allein wegen der Architektur lohnt es sich.
Es gibt auch eine Krypta, die du besichtigen kannst, aber ich fand sie ein bisschen uninteressant, es gibt nicht viel zu sehen. Die Hauptkirche ist viel interessanter.
Bestattungsmuseum Wien


Aus Neugier habe ich es besucht, aber ehrlich gesagt würde ich es nur empfehlen, wenn du dich wirklich für Bestattungskultur interessierst. Das Museum ist klein und wirkt teilweise eher wie Werbung für Firmen, die z. B. Asche in Schmuck verwandeln.
Kurkonditorei Oberlaa
Bei Eingang 2 gibt es tatsächlich ein Café. Es ist eine Filiale der beliebten Wiener Kette Kurkonditorei Oberlaa, die für ihre Torten bekannt ist. Praktisch: Es gibt sogar ein paar vegane Optionen.
Souvenirs & schwarzer Humor

Bevor du gehst, schau unbedingt in einen der Shops, entweder beim Tor 2 oder im Bestattungsmuseum.
Dort zeigt sich der typische Wiener schwarze Humor: von Taschen mit Sprüchen wie Ich lese, bis ich verwese bis hin zu LEGO-Sets mit Begräbnismotiven. Skurril, morbide, und gleichzeitig sehr wienerisch.
Tipps für deinen Besuch
- Respekt bewahren: Der Friedhof ist ein Ort der Trauer. Sprich leise, bewege dich achtsam und denk daran, dass hier Familien ihre Angehörigen besuchen.
- Kartenfoto machen: Am Eingang findest du Übersichtstafeln mit allen Abschnitten. Mach ein Foto, bevor du losgehst.
- App nutzen (optional): Die offizielle App zeigt dir per GPS, wo du bist und hilft beim Finden bestimmter Gräber. Sie ist allerdings kostenpflichtig.
- Bequeme Schuhe anziehen: Egal wie kurz dein Besuch geplant ist, am Ende wirst du mehr Kilometer machen, als du denkst.
- Route planen: Überleg dir vorab, ob du berühmte Gräber, besondere Abschnitte oder einfach Ruhe erleben willst. Sonst vergeht die Zeit im Nu.
- Wasser mitnehmen: Gerade im Sommer wichtig. Getränke gibt’s nur im Café Oberlaa oder am Automaten bei Tor 2.
- Richtiger Zeitpunkt: Früh morgens oder spät nachmittags ist es am ruhigsten. Im Herbst mit den bunten Blättern besonders schön. Am 1. und 2. November leuchten tausende Kerzen, ein beeindruckendes Erlebnis.
- Mückenschutz nicht vergessen: Besonders abends im Spätsommer sind viele Gelsen unterwegs.
- Sensibler Bereich: Manche Orte, wie die Babygruppe, können sehr emotional sein. Wenn dich das belastet, besser auslassen.

Optionen für geführte Touren
Wenn du den Friedhof nicht allein erkunden willst, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Geführte Tour mit Guide
Mehrere Anbieter führen dich über das Gelände und erzählen Geschichten zu den berühmten Gräbern, zur Architektur und zu den Bestattungstraditionen in Wien.
Mit einem Guide sparst du dir langes Umherirren und erfährst Details, die du sonst leicht übersehen würdest.
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Selbstgeführte Tour mit Audioguide
Du kannst dir auch die Hearonymus-App herunterladen. Sie bietet GPS-Orientierung und Infos zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Praktisch, wenn du flexibel bleiben willst, allerdings nicht kostenlos.


Warum du in Wien einen Friedhof besuchen solltest
Friedhöfe zu erkunden klingt vielleicht ungewöhnlich, aber sie zeigen eine ganz eigene Seite Wiens mit viel Geschichte, Tradition und einer Prise schwarzem Humor.
Der Zentralfriedhof ist der bekannteste, aber längst nicht der einzige Ort, an dem du Wien stiller und besinnlicher erleben kannst. Besonders spannend sind auch:
- Friedhof der Namenlosen
Ein kleiner, gespenstischer Ort am Ufer der Donau, wo im 19. und frühen 20. Jahrhundert unbekannte Ertrunkene bestattet wurden. Abgelegen, düster, aber sehr bewegend. - St.-Marx-Friedhof
Bekannt als Mozarts Ruhestätte. Heute wird er nicht mehr genutzt, doch seine überwucherten Wege und alten Grabsteine haben einen romantischen, fast geheimnisvollen Charme.
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